Von Königsberg nach Kiel

Die Überschrift ist dem Stabreim und nicht irgendeiner revanchistischen Bestrebung geschuldet.

Nachdem ich meiner Freundin das nasse (die Wäsche!), auf Grund der Nässe übel gelaunte, kleine Bündel präsentiert hatte, bat ich sie darum zusammenmit mir und Katz noch einmal den Markt aufzusuchen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass so eine schöne kleine Katze von niemand vermisst wurde. Die befragten Marktfrauen konnten sich wiederum nicht vorstellen, dass irgendjemand so beknackt sei, eine Straßenkatze aufzunehmen und diese dann auch noch nach Deutschland überführen zu wollen. Auch die Tierärztin, die wir später aufsuchen sollten, fragte irritiert, ob es in Deutschland keine Katzen gäbe.

Das Kätzchen fühlte sich trotz der beengten Wohnverhältnisse in der 9m²-Miniwohnung wohl und benutzte von Anfang an das Katzenklo. Sie nahm begeistert jede offerierte Nahrung auf – verschmähte selbst Pelmeni nicht – und jagte mit Hingabe die reichlich vorhandenen Kakerlaken. Das Knacken des Chitinpanzers wenn Koschka so ein Insekt erlegt hatte und der folgende Verzehr der kleinen Eiweißgabe waren anfangs gewöhnungsbedürftig. Immerhin wurde die kleine Schnauze, in der eben noch ein zuckendes Bein verschwand, reichlich beschmust…

Der Comic ist unter dem Eindruck dieser zwar nicht sehr artenreichen aber doch populationsstarken Tierwelt entstanden – das Essverhalten meiner Katze jedoch nicht Gegenstand der Geschichte.

Kakerlaken, ComicAbends war ich auf Grund des anhaltenden Durchfalls meines Kätzchens sehr besorgt und wollte einen Tierarzt aufsuchen, was bei meiner Freundin für Heiterkeit sorgte… Selbst als mit dem Tode ringender Homo Sapiens hätte man im postsowjetischen Russland wenige Chancen nach Dienstschluss einen Arzt zu finden…

Zum Tierarzt mussten wir einige Tage später dann aber doch – Koschka sollte vor der Fahrt nach Deutschland durchgeimpft sein, so die Aussage der Zollbehörde. Der Tierarzt befand sich in einem anderen Stadtteil und wir packten Koschka in einen eigens für diesen Zweck erworbenen Korb, den wir mit einem Netz abdeckten. Auf dem Weg passierten wir einen verwilderten Stadtpark und der Instinkt der Straßenkatze brach in plötzlicher Heftigkeit hervor. Das kleine Bündel gebärdete sich derart heftig in seinem Gefängnis, dass wir Sorge hatten es würde sich in dem Netz erdrosseln. “Straßenkatze bleibt Straßenkatze”, so oder ähnlich dachten wir und entließen das Tierchen schweren Herzens in die Freiheit.

Koschka 2008

Koschka entfernte sich mit Volldampf von uns und dem verhassten Korb, rannte wie ein Eichhörnchen einen Baumstamm herauf und verweilte dort in sicherer Entfernung auf einem Ast. Ich sah traurig zu ihr hin, chancenlos sie dort zu erreichen, selbst wenn ich es gewollt hätte. Ich hatte schon mein Leben als Katzenbesitzer vor Augen gehabt, akzeptierte aber die Entscheidung des Tieres für seine Freiheit. Wir packten also unseren Korb und zogen bekümmert ab… und stellten, nachdem wir einige Meter zurückgelegt hatten,  fest, dass wir von einer kleinen Katze verfolgt wurden. Koschka hatte sich entschieden und so standen wir kurze Zeit später vor einer Tierärztin und erfuhren, dass die für die Überführung erforderliche Impfung bereits vor Wochen hätte durchgeführt werden müssen. Mist, jetzt hatte ich die Zustimmung der Katze und der jetzt sollte der Katzentransport an ein er behördlichen Vorgabe scheitern.

Koschka bekam von der freundlichen Veterinärmedizinerin keine Impfung, statt dessen aber die Bescheinigung aus der hervorging, dass sie die erforderliche Immunisierung zum entsprechenden Zeitpunkt bereits erhalten hatte. (…und die Tierärztin erhielt ihr Honorar für die ausgewiesene Maßnahme…).

Russischer Pragmatismus!

Koschka – eine lange Geschichte

KOSCHKA heißt auf russisch “Katze”, hört sich aber besser an und ist der Name meines Haustieres. “Tiere und Kinder gehen immer” heißt es in der Journalistik, meint dass Kindchenschema gut ist für die Steigerung der Leserzahl … und ist für mich aber zumindest für die folgenden Beiträge egal – scheiß auf die Klickzahl.

Ich werde über meine Katze schreiben, weil ich ihr Leben und mein Leben mit ihr dokumentieren möchte, in erster Linie für mich, daher auch keine Tags, und um mich zur Regelmäßigkeit zu zwingen tue ich dies mit Vorankündigung.

In den nächsten Tagen werde ich vermutlich die persönlichsten Texte schreiben, die unter einjahrfrei entstanden sind.Koschka 24.12.2014

Gefunden habe ich meine Katze im Sommer 1997 als Welpen – auf einem kleinen, von drei stark befahrenen Straßen umgebenen, Marktplatz in Kaliningrad / Russland. Ich verbrachte damals meine Tage damit, mich durch die Stadt und die Umgebung des Kaliningrader Gebiets treiben zu lassen, um die Zeit zu überbrücken bis meine Freundin von der Arbeit kam. Während ich irgendeinen Snack aus einer Pappschale löffelte sprang mir das kleine pelzige Wesen auf den Schoß und meldete seine Ansprüche auf mein Essen an. Koschka war bereits als junge Katze recht überlebensfähig, sonst hätte sie an diesem Ort wenig Chancen gehabt… und sie war wirklich schön. Ihre Fellfärbung und der buschige Schwanz erinnerten mich an Darstellungen von Wilkatzen – mein Tier hatte mich gefunden. Wildkatze, aus Dr. Walter Wüst - Tierkunde 1. Band

Die Idee, dass ein tierischer Begleiter mich aussucht und nicht umgekehrt trug ich schon länger in mir – in Kaliningrad mit seinen frei laufenden Hunderudeln und den vielen Straßenkatzen – war sie aber gereift. Es war Zeit für ein Haustier. Ich nahm das schmale Bündel mit in das kleine Zimmer, welches uns Freunde während ihrer Abwesenheit überlassen hatten, und wusch es ausgiebig.  Ich wollte es vom Dreck der Straße und von Durchfallresten befreien – auch für das Kätzchen sollte klar sein, dass ein neuer Lebensabschnitt beginnen würde.

Winkpflicht

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Autoenthusiasten sind mir ein Greuel, Schrauber ein Menschenschlag den ich nicht verstehe, ganz zu schweigen von Tuningkatalogen, Automobilclubs und deren Veranstaltungen. Man mag es mir als Ignoranz, Arroganz oder Dummheit auslegen – bis heute weiß ich weder den Hubraum noch die Leistung meines Autos – es interessiert mich schlicht einfach nicht und vermutlich sind beide Werte aufs Perfideste miteinander verknüpft.

Und trotzdem: Ein Text über mein Auto.

IMG_0340Die letzten 20 Jahre habe ich einen VW-Transporter der 3. Baureihe gefahren. Die Vorgängermodelle sahen runder und knubbeliger, irgendwie käferförmiger aus und unterschieden sich in erster Linie durch eine getelte (T1) und eine durchgehende (T2) Heckscheibe voneinander. Der T3 sieht ganz ander aus, 80er Design. Ihn verbindet wiederum mit seinen Vorgängern, dass er einen Heckmotor besitzt – der Ort wo “der Motor bei einem VW-Bus hingehört”, so mein Schrauber.

SolitüdeDer Wagen war ein Geschenk – ich hätte ihn mir damals nicht leisten können. Nicht zuletzt der sehr schöne professionelle Campingausbau, den mein Vater in Eigenleistung dem Fahrzeug spendierte schaffte für mich eine Verbindung zu dem Wagen, an den reichlich Erinnerungen, gute und schlechte, geknüpft sind.

Innenausbau, mit Sofarollen20 Jahre, bummelig 250.000 km reichen um einiges zu Erleben, Höhepunkte waren natürlich die Urlaube – dazu evtl. mal mehr. Das Auto machte es mir im Studium möglich Auswärtsjobs anzunehmen, war Behausung beim Buggykiten am Strand, der Ort zum Rauschausschlafen und Rauschbekommen…

aufm HangarUnd der T3 ist Kult… Ein Scheißbegriff, breitgetreten vermutlich seit den 80ern, geeignet dazu, die schönsten Dinge zu beschmutzen und zu töten. Kult war der T3 jedoch natürlich nicht immer. Kein Auto und schon gar nicht so ein Funktionsmobil wie der Bulli ist vom Konzept her Kult. Versuche der Automilindustrie neue Kultautos am Markt zu platzieren klappen nur mittelprächtig.

VW-Busse haben halt ein sehr praktisches Format: Stadtkompatibel und trotzdem so etwas wie eine Miniwohnung. Sie erwecken im Gegensatz zu den raumeinnehmenden Wohnmobilen keinen oder geringeren Klassenneid und taugen auch als Alltagsauto. Vermutlich hat es etwas mit der Beliebtheit der Fahrzeuge bei der Wassersportfraktion zu tun, dass den Bulli einen gewissen Coolnessfaktor umgab.

Irgendwann, als ich meinen Bus schon eine ganze Weile fuhr, fiel mir jedenfalls auf, dass T3-Fahrer mich grüßten. Anfangs fand ich dieses Verhalten irritierend, gar anbiedernd: Was verbindet mich denn schon mit dem Menschen am anderen Steuer? Über die Jahre wurde es  zum Allgemeingut – T3-Fahrer grüßen sich. Die Ausnahme von dem Grüßgebot wird gelegentlich nur von solchen Fahrern, dann gerne Inhaber von Handwerkerpritschenmobilen, gebildet, denen man ansieht, dass sie zusammen mit ihren Autos gealtert sind – so wie ich. Mein Auto ist Kult geworden, während ich damit die Jahre überrollt habe. Und so wurde ich immer häufiger von Menschen gegrüßt oder grüßte diese, die halb so alt sind wie ich. Mittlerweile kann ich die oben gestellte Frage auch ein wenig beantworten: Es ist ein gewisses Bedürfnis nach Unabhängigkeit, die Möglichkeit, zumindest kurzfristig, dem Alltag mittels seines Fahrzeugs zu entfliehen. Es ist der Verzicht auf Komfort, die Fähigkeit sich mit den Macken seines Autos (Unterhalten während der Fahrt? Mit den im Fond Sitzenden? Utopisch, das Auto hat ja schließlich auch etwas mitzuteilen…) zu arrangieren. Das Bewußtsein, dass man einen Teil seiner Zeit unter dem Auto oder mit Pinsel und Rostschutzfarbe in der Hand, fluchend am Straßenrand oder gemeinsam mit irgendwelchen ölverschmierten Freaks verbringt. Kurz: Es ist die Summe aus dieser Bereitschaft zum Vergnügen und zur Verzweifelung, die zu einer gewissen Verbundenheit zu dem Typen, bzw. in jüngster Zeit vermehrt – zu der Typin, hinter der anderen Windschutzscheibe führt.

Zum Verkauf: mit BlümchenUnd wieso jetzt dieser Text? Mein T3, der alte untermotorisierte Postbus, der in letzter Zeit mehr in der Werkstatt war als bei mir vor der Tür stand,  ist verkauft – nach Köln. Und ich hätte noch weitere zehn mal verkaufen können… Vor dem Verkauf bekam er eine neue Kupplung und der Motor wurde noch einmal komplett überarbeitet – ich wollte keinen Scheiß verkaufen. Trotzdem: Als Familienauto, dass mich außerdem regelmäßig zur Arbeit transportieren sollte war mein Bulli nicht mehr tragbar. Wer schon einmal mit Kleinkindern an der Autoraste auf den Abschlepper gewartet hat weiß evtl. wovon ich schreibe. Die neuen Besitzer, ein Pärchen aus Köln, werden hoffentlich noch eine gute Zeit mit ihm haben.

Mein Auto ist wech, aber ich bin nicht wieder allein. Es gab erneut einen Bus, wieder ausgebaut, diesmal allerdings von einer Firma. “Einmal Bus – immer Bus.” schon oft gehört und tatsächlich möchte ich dieses Auto nicht missen. Nur grüßen tut keiner. Jedesmal ein kleiner Stich, wenn ein T3 vorbeifährt. Liebe VW-Bus Fahrer: Solltet ihr demnächst aus einem VW-Bus neuerer Baureihe gegrüßt werden, verzeiht dem Fahrer diese Sentimentalität …und grüßt doch einfach zurück.

IMG_5630Ach: Seine Kriegsbemalung – irgendwas zwischen Tribal und Wellen – sind nicht zufällig dort angebracht, sonder ein Versuch möglichst elegant die Rostarbeiten zu kaschieren. Haben sich die T3-Fahrer unter euch aber eh gedacht.

Hören unter Wasser – Die Ruhe der Förde

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Von Mai bis Oktober versuche ich, so die Zeit es erlaubt, täglich im Meer zu schwimmen. Möglichst dann, wenn der Strandrummel noch nicht begonnen oder bereits geendet hat. Ich leiste mir die Arroganz das Meer mit Wenigen zu teilen – außerdem blendet die Sonne beim Rückenschwimmen weniger, wenn sie nicht im Zenit steht.

Solitüde - Blick nach Osten
Da ich gerne und unbelehrbar außerhalb des Schwimmerbereichs unterwegs bin, erspare ich so auch den engagierten DLRG-Leuten und mir überflüssige Ermahnungen.
Ein weiter Grund ist, dass morgens und abends kaum Bootsverkehr auf der Förde ist, der mich in meinem Aktionsradius einschränken könnte. Da meine Ohren beim Schwimmen in der Regel unter Wasser sind, regestriere ich recht schnell, wenn sich ein Motorboot mit seinem kleinen hochtourigen Antrieb nähert. Zumeist ist vor Solitüde, meinem bevorzugtem Schwimmspot, allerdings kaum mit akustischer Belästigung zu rechnen – sodass ich teilweise sogar das Klirren der Ketten der Schwimmbereichsmarkierungen auf mehrere Meter hören kann.
Viel Raum für Fischgeplauder also.

Solitüde - Blick nach Westen

…nicht so in der Kieler Innenförde, wie ich vor Kurzem im Seebad bei Düsternbrook feststellen konnte. Unter Wasser herrschte ein permanentes Dröhnen in verschiedenen Frequenzen. Der Schiffsverkehr lieferte einen permanenten Klangteppich. Da trösten dann auch nicht die für Flensburger Verhältnisse traumhaften Badebedingungen – der Steg in Düsternbrook ist  mit Sonnenliegen, Strandkörben, Umkleidekabinen und Gastronomie ausgestattet – drüber hinweg. Der Eintritt von 2,90,- € für das Baden im akustischen Müll der Schifffahrt ist zu hoch – zumal die Wasserqualität angesichts des vielbefahrenen Hafenbeckens sicher nicht herausragend sein dürfte…

 

Mark Twain

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„Wenn du merkst, dass du zur Mehrheit gehörst, wird es Zeit, deine Einstellung zu revidieren.“

Mark Twain – Schriftsteller

Tom Sawyer und Huckleberry Finn waren Bücher, die ich aus dem Jugendbuchfundus meines Vaters übernahm. Die Erzählungen um die beiden Jugendlichen prägten mein Spielverhalten als Kind und manifestierten gewisse unpopulär gewordene Ideale von Freundschaft und Loyalität. Die geheimnisvolle Welt am Mississippi mit Alligatoren, Sklaverei, Säufern und Gaunern war wundervoll fremd und Phantasie anregend. Mark Twain wendete sich in seinen Werken gegen Rassismus, Sklaverei und allgemeine Heuchelei.

Später lernte ich die Satiren und Erzählungen von Mark Twain kennen, in denen er sich als genauer Beobachter seiner Umwelt darstellte und dieser scharfzüngig, pointiert und humorvoll aber nie zynisch den Spiegel vorhält.

„Bummel durch Europa“, „Die hässliche deutsche Sprache“ und „Die Eine-Millionen-Dollar-Note“ seien empfohlen.

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Mark Twain starb 1910, nachdem er seine Frau und drei seiner vier Kinder überlebt hatte.

Erich Kästner

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„Alles, was gigantische Formen annimmt,

kann imponieren – auch die Dummheit.“

 

Erich Kästner – Schriftsteller

habe ich ähnlich wie Mark Twain durch die alten Jugendbücher meines Vaters kennen gelernt. „Das fliegende Klassenzimmer“, diese Erzählung um Freundschaft und Aufrichtigkeit, war eines meiner Lieblingsbücher als Kind. „Emil und die Detektive“ sowie „Pünktchen und Anton“ waren weitere Klassiker, die ich liebte. Neben den Vorworten und Einwürfen, mit denen sich Kästner im Handlungsstrang der Romane an seine Leser wandte, schätzte ich die Zeichnungen von Walter Trier in den klassischen Ausgaben. Besonders mag ich die Szene aus „Pünktchen und Anton“, in welcher der Dackel Piefke, auf einem Stuhl am Esstisch sitzend, einen Klaps auf den Hintern bekommt und ganz auf die gedeckte Mittagstafel springt.

Kästner war Humanist und Antimilitarist. Seine Werke wurden von den Nazis als „wider den deutschen Geist“ eingestuft und öffentlich verbrannt. Kästner ging jedoch nicht ins Exil, sondern publizierte unter einem Pseudonym weiter. Er sah sich als Chronist in einer düsteren Zeit.

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Erich Kästner starb am 29. Juli 1974.

 

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