Spuren – Street-Art aus Flensburg

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Es war ja lange ruhig – wird es wohl auch weiterhin bleiben. Familie, Arbeit , Haus und Hof lassen für berichtenswerte Abenteuer nicht viel Raum. Trotzdem möchte ich, nicht ganz uneigennützig, auf eine kleine Ausstellung in Flensburg aufmerksam machen. Spuren

Spuren2Ob das ganze nun Street-Art ist, wie in der Überschrift angekündigt, wäre zu diskutieren… weil hinter Glas und Indoor. Trotzdem, auch wenn Schablonentechnik deutlich älter ist, als die recht neue Genrebezeichnung “Street-Art”, dürften die Grundlagen der präsentierten Arbeiten nixdestotrotz auf der Straße liegen. Ein bisschen Street-Credibility sei hiermit versichert

Hier gehts zur Galerie. Vielleicht ja bis zum 29.03!

Provinz III – All überall auf den Tannenspitzen…

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Ich hatte den Beitrag schon vor einiger Zeit im Tageblatt entdeckt…FielmannDas ist doch endlich mal wieder eine gute Nachricht: “Tanne? Fielmann!” Interessant, wann künftige Generationen den Begriff Weihnachtsbaum durch Fielmantanne ersetzt haben…

Was weniger nervt ist die clevere Marketingstrategie einer Optikerkonzerns, der durch seine Gaben den eigenen Namen in unseren Gehirnen mit dem höchst emotional besetzten Weihnachtsfest verknüpft, sondern vielmehr die Bereitschaft des shz im Sommer eine solche Nachricht dankbar zu platzieren.

Am Futterhaus

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Nachdem ich schon wieder fast ein Vierteljahr in Kaltland bin, wird es Zeit für ein Lebenszeichen. Leben findet bei uns, zumindest was die Anzahl der Induvidien angeht, in erster Linie im Garten statt.

Mein Bio-Seminarleiter präsentierte uns irgendwann seine These, dass der Zugang zur Biologie bei den meisten Menschen über den Tümpel oder das Vogelfutterhäuschen stattfindet. Man kann von Winterfütterung halten was man möchte. Jäger die im Winter das Wild hegen, um es im Frühjahr über den Haufen zu schießen werde ich wohl nie verstehen. Auch das Füttern von Singvögeln im Winter ist etwas zwiespältiig, werden doch recht einseitig bestimmte Arten gestärkt und gleichzeitig abhängig vom Menschen – die natürliche Auslese wird so umgangen.  Andererseits bietet das Futterhaus die Möglichkeit einen Zugang zur Natur zu schaffen. Meine gerade Fünf gewordene Tochter kann mittlerweile mindestens zehn Singvogelarten benennen und auseinanderhalten. Einige Argumente zum Pro & Contra der Vogelfütterung sind hier gelistet. Zu den Pro-Argumenten die aufgeführt sind, möchte ich noch hinzufügen, dass ich mit der Winterfütterung evtl. die Schneise wieder füllen kann, die meine Katze in ihrer aktiven Zeit in den Wildvogelbestand geschlagen hat.
Aber was gibt es denn nun bei uns am Vogelhaus zu sehen? Die Artenliste:

  • Grünfink (Carduelis Chloris), der ja eigentlich gelb ist und gern im Rudel aufschlägt,
  • Bergfink (Fringilla montifringilla), auch gern im Rudel und möglicherweise ein Gast aus Skandinavien,
  • Stieglitz oder Distelfink (Carduelis carduelis), mein Favourit diesen Winter,
  • Dompfaff oder Gimpel (Pyrhulla pyrhulla), viel zu bunt für hier,
  • Buchfink (Fringilla coelebs),
  • Haussperling (Passer domesticus), graue Mütze im Gegensatz zur braunen des Feldspatzes,
  • Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) hamstert Körner und verputzt sie wo anders,
  • Rotkehlchen (Erithacus rubecula) is ja eher ein Rostkehlchen,
  • Amsel (Turdus merula), die Proleten des Vogelhauses, schubsen, prügeln und bepöbeln sich gegenseitig und alle anderen,
  • Wacholderdrossel (Turdus pilaris),
  • Blaumeise (Parus caeruleus) ist deutlich größer als die superniedliche
  • Schwanzmeise (Aegithalos caudatus) und etwas kleiner als die
  • Kohlmeise (Parus major).

Nicht typische Singvögel, aber auch Gäste ums Vogelhaus herum wären dann noch:

  • Ringeltaube (Columba palumbus),
  • Buntspecht (Dendrocopos syriacus) am Meisenknödel,
  • Eichelhäher (Garrulus Glandarius),
  • Elster (Pica pica),
  • Fasan (Phasianus colchicus) unser täglicher Gast (“Papa, der Fasan ist wieder da!”),
  • Rehe (Capreolus capreolus) und ein
  • Sperber (Accipiter nisus) wurde auch schon gesehen.

Fasan

Für mitten in der Stadt finde ich das recht beachtlich, wobei das Osbektal den Tieren trotz der unbelehrbaren Warumsollichmeinköterimschutzgebietandieleinenehmenmenschen sicher noch genug natürliche Rückzugsbereiche bietet.

Und zum Schluss noch ein kleiner Appell: Verantwortungslos ist es, dass die Supermärkte das Vogelfutterangebot  bereits vor Wochen zu Gunsten der Osterartikeln aus dem Programm genommen haben.  Solange es noch Minusgerade gibt und damit verbunden Bodenfrost herrscht, Pflanzen noch nicht austreiben und letztendlich noch keine Insekten unterwegs sind, benötigen einmal angefütterte Vögel weiterhin Futter. Dieses gibt es auch in Zeiten der eingeleiten Osterzeit (…welche wiederum den Vögeln recht egal ist) in den Zoohandlungen.

Also: Weiterfüttern! Abtreten!

Station 6: Đồng Hới – Strand, Skurriles, Höhlen und Hügel

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Đồng Hới ist eine mittelgroße Stadt und an einer Flussmündung gelegen. Ultrahipper Vintagelook: Steg aus alten Planken.Überquert man eine große Brücke gelangt man zu einem von der Fischerei geprägten vorgelagerten Wohnviertel. Dort befindet sich auf der Seeseite ein Badestrand, der weitestgehend von einer riesigen Hotelanlage dominiert wird. Für Touristen hält Đồng Hới erst einmal nicht allzu viel bereit, worüber wir allerdings nach dem Tourismusoverkill der letzten Wochen nicht allzu unglücklich waren. Der Ort bildet jedoch eine gute Ausgangsbasis für Ausflüge in die Umgebung, welche mit einigen spektakulären Ausflugszielen aufwarten kann.Berge bei Phong-Nha

Um einige davon möglichst bequem und problemlos zu erreichen buchten wir eine organisierte Tour. Der Minibus mit dem versprochenem „englishspeaking“ Guide brachte unsere recht überschaubare Gruppe zuerst nach Son Trach einem kleinem Dorf von dem aus Boote zu einer Flusstour entlang des Karstgebirges aufbrechen. IMG_0470Der „englishspeaking Guide“ verabschiedete sich beim Besteigen der Boote vorläufig mit dem Verweis auf die Bootsführer, welche wie sich herausstellte zwar fließend vietnamesisch aber kein Wort Englisch sprachen. Ziel der Fahrt war ein Höhlensystem, die Phong-Nha-Höhlen, welches von dem Fluss durchzogen wird. Hier  darf man aussteigen und verschiedene bunt beleuchtete Höhlen durchschreiten. Etwas weniger Mut zur Farbe wäre hier auch in Ordnung gewesen – so erinnerten die ausgeleuchteten Tropfsteinhöhlen oft an den weihnachtlichen Fensterschmuck der sozialen Brennpunkte deutscher Großstätte. Auf der Rückfahrt fielen uns Einheimische auf, welche in kleinen Booten stehend, mit langen Rechen Wasserpflanzen aus dem Fluss fischten, um diese an Bord zu häufeln. Ich konnte später herausfinden, dass es als Nahrung für Rinder, wohl aber auch für Menschen diene – wieder was gelernt. IMG_0383Nach dem Anlegen ging es zum Essen, mittlerweile war auch der Guide wieder aufgetaucht. Das Essen war, wie auf solch organisierten Touren allgemein, selbst für uns Vegies recht vielfältig, im Preis inbegriffen und einfach gut. Erstaunlich, was in den doch recht primitiven Küchen mit ein paar Töpfen, Pfannen und Messern so gezaubert wird. Dem kleinen Hund, der vor dem Restaurant auf seiner Decke lag, wünsch ich, dass seRestaurantküchein Schicksal mehr als einen Topf für ihn bereit hält.

Die Fahrt ging weiter zur Paradieshöhle, auch hier nach Ankunft das gleiche Spiel: der des englischen mächtige mitgebuchte Reiseleiter blieb zurück und überließ uns stiefguidelich unserem Schicksal. Von den insgesamt 31 km, die das weltweit längste Trockenhöhlensystem (Ich liebe Superlative, sie pflastern die Wege des Touristen wie Laub im Herbst.) umfasst, bekommt der Ausflugstourist nur den ersten zu sehen. Längere Touren ins innere der Höhle können extra gebucht werden – für die nächste Vietnamreise merken! Golfwagen stehen bereit, um Touristen vom Ticketschalter zum Fuß der Treppe zu bringen, die zur Höhle führt. Man hätte das Geld für die Golfwagen lieber in einen Fahrstuhl investieren sollen. WähIMG_0412rend der Weg zur Treppe eben und komfortabel ist, haben es die 500 Treppen die zur Höhle führen in sich. Zwar konnten wir beim Ersteigen halbwegs unser Gesicht wahren und Verschnaufpausen als Fotosession – „Boah, was für ne´ Assel!“ “Guck mal, da in dem Loch ist eine Hölenspinne!“ tarnen, aber die beiden Gebirgsdeutschen in unserer Gruppe legten ein (zu) gutes Tempo vor: Bayern : Preußen – 1:0. Ich fühlte mich erneut in meiner Meinung bestätigt, dass es sich bei Bergen eigentlich nur um landschaftliche Störfaktoren handelt.IMG_0407

Die Paradieshöhle selbst war überwältigend und freundlicherweise hatte man sich bei der Ausleuchtung auf weißes Licht beschränkt, sodass der Genuss und der Entfaltung der eigenen Kreativität angesichts der phantastischen Formationen nichts im Wege gestanden hätte… wäre da nicht der Guide gewesen, dem wir beim Besuch der Höhle zwangsverpflichtet wurden. Wohlgemerkt: es handelt sich um den höhleneigenen Guide, unser war ja…ach egal.

Der freundliche junge Mann ließ bei der 45minütigen Wanderung keine Gelegenheit aus, uns zu empfehlen WAS wir in den einzelnen Gebilden, Formationen, Stalaktiten und Stalagmiten zu sehen hätten. Sie sehen hier: einen Weihnachtsbaum und einen gefrorenen Wasserfall! Und gefälligst nichts anderes!Die ältere Dame, die schnaufend und recht blass auf einer Treppe kauerte fiel ihm jedoch nicht auf, sodass er erst nachdrücklich aufgefordert werden musste sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Etwas später wurde sie dann von Sanitätern aus der Höhle befördert. Das wäre dann die Kehrseite der von mir als recht angenehm empfundenen buddhistischen Gelassenheit – sie kann auch in einer gewissen Gleichgültigkeit münden.

Der letzte Programmpunkt der Tour bestand aus einer kleinen Wanderung entlang des Nuoc-Mooc-Ökopfades, ein Holzbohlenweg durch den Urwald, der über mehr oder minder wacklige Brückenkonstruktionen entlang des Badezeit :-)Flusses führt. Das schönst ist jedoch eine kleine natürliche Stauung, die zum Baden freigegeben ist. Hier kann man – recht erfolglos – versuchen gegen die Strömung anzuschwimmen. Was soll ich sagen: Zwar tauchte einer der Münchner kurzfristig in das ihm fremde Element ein, verließ es dann aber auch wieder recht fix. Und so endete der Ausflug mit einem befriedigendem Unentschieden: Bayern : Preußen – 1:1. Wenn man dann noch den Altersunterschied berücksichtigt. Herren (Bayern) : Senioren (Preußen) geht der Pokal verdient nach Norddeutschland.

Am nächsten Tag waren wir wieder mit dem Roller unterwegs. Ziel sollte ein Kriegsmuseum seiIMG_0549n, dass im Reiseführer als „skurriles Freilichtmuseum“ bezeichnet wurd. Passt doch zu uns dachten wir und machten uns los. Insbesondere für diesen Ausflug galt „Der Weg ist das Ziel“, wenngleich er in diesem Fall vorläufig unterbrochen wurde: Nach einem Fotostopp wollte mein Roller nicht mehr anspringen. Nach einer Weile herumprobieren, tauchte ein älterer ebenso zahnlos wie betrunkener jedoch sehr hilfsbereiter Vietnamese auf, der unsere Situation erkannte und loswankte und Hilfe in Gestalt zweier Mechaniker organisierte. Während alle angesichts der Situation emsig debattiertDer Weg zum Zielen – erste Reaktion in Vietnam auf eine neue Situation – gelang es mir dann zum Glück den Roller mittels Kick zum Laufen zu bringen. Warum der ältere Alkoholfreund auf einmal hinter unser Reisebegleiterinauf dem Roller saß und wie sie ihn wieder loswurde ist eine andere Geschichte…

Das Kriegsmuseum, in Gestalt einiger verfallener Baracken, in welchen die Lebensbedingungen der Menschen während des Vietnamkrieges veranschaulicht wurden, war in einem erbärmlichen Zustand, kostete keinen Eintritt und wurde offensichtlich seit geraumer Zeit sich selbst überlassen. Es wäre nicht erwähnenswert, wäre da nicht die Anfahrt. Am Ende eines Feldweges wäre man eigentlich durch ein rostiges Tor auf einen matschigen Trampelpfad gelangt, der wiederum zu einem Fluss führte auf dessen anderen Seite das besagte Museum lag. IMG_0523Leider war die Brücke, die über den Fluss führte schon lange zerstört, sodass man an anderer Stelle einen Ponton improvisiert hatte, mit dem man sich mittels Seilen zum anderen Ufer ziehen konnte.

IMG_0544Ein bisschen Tom Saywer Romantik trifft auf viel Dritte-Welt-Realität, gut veranschaulicht durch die Wasserversorgung vor Ort. Erwähnenswert wären noch die Kautschukplantage in der Nähe des Museums und der wunderschöne Strand von Đồng Hới, mit der malerischen Rostboje. Hier war es auch das erste Mal während der Reise, dass ich fürs Schwimmen in der Brandung bezahlen musste. Dafür wurde zu diesem Zweck allerdings auch extra ein Kellner aus dem Strandcafé abgeordnet, der sich eine gelbe Rettungsboje unter dem Arm geklemmt hatte und meinem Geplansche beiwohnen musste. Mein persönlicher Guard – so müssen sich Promis fühlen.

Romantik!

Und noch ein paar Bilder, die im Text keinen Platz fanden:

Ganze Wäldchen mit diesen angezapften Bäumchen stehen in Vietnam, immerhin auf Platz 6 der weltweiten Kautschukproduktion, die dann  in Form von Gummihanschuhen, Kondomen, Latexkleidung, Beruhigungssaugern und Autoreifenden ihren Weg zu uns findet
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Schuluniformen und Fahrräder, für alle die noch nicht im realsozialistischen Arbeitsalltag angekommen sind. Man beachte die Fahrweise, welche in Deutschland sofort ein wütendes Ausdemruntergelassenemfensterherumgepoltere seitens der Autofahrer nach sich ziehen würde.
Und noch einmal unsere Freundin die Assel, diesmal in praktischer Kugelform.
... und hier dann noch der Welpe, der hoffentlich nicht als Mahlzeit endet. Katze Mops war mein Reisebegleiter, der von unterwegs immer Urlaubsgrüße an meine Tochter schickte.

… und hier dann noch der Welpe, der hoffentlich nicht als Mahlzeit endet. Katze Mops war mein Reisebegleiter, der von unterwegs immer Urlaubsgrüße an meine Tochter schickte.

PS. Es gibt eine recht einprägsame Eselsbrücke um sich zu merken was Stalagmiten und was Stalaktiten sind. Wer kennt sie? Bitte für sich behalten.

Am Wegesrand

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Ein paar Bilder auf dem Weg zwischen Erongogebirge und Grootfontain im Nordosten Namibias.

Zesel?Tatsächlich scheint es sowas wie Zesel zu geben. Beim Anblick der Tiere drängte sich der Verdacht auf, dass Mama und Papa nicht aus dem gleichen Stall stammten.

VerkehrszeichenKategorie: Verkehrszeichen, die es in Schleswig-Holstein nicht braucht. Es gibt auch die Warzenschweinvariante.

BergschildkröteMit fast 50 cm kaum zu übersehen – die Bergschildkröte (Geochelone pardalis).

JuliformiaSpannend an diesem Tierchen, dem sogenannten Wurmartigen Tausenfüsser (Juliformia): Es schlüpft mit drei Beinpaaren, könnte also zum Zeitpunkt der Geburt mit einem Insekt verwechselt werden, und danach wächst es mit jeder Häutung auf bis zu 120 Beinpaare heran. OryxBeeindruckende Hörner – die Oryxgazelle oder Spiessbock (Oryx gazella)

SpringbockAuch gerne im Rudel unterwegs und selbst auf der Straße recht selbstbewusst: der Springbock (Antidorcas marsupialis).

Namibia – Gastritis, Grundsätzliches und görmanische Butter

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In Afrika ist es so eine Sache mit dem Internet… Die Zeiten unbegrenzter Auswahl zwischen diversen meist ungeschützten Netzwerken, die wir in Asien genossen haben, ist definitiv vorbei. Ein Grund, warum der Vietnambericht in der Mitte abbricht und Bangkok, wo wir einen kurzen Zwischenstopp einlegten, unerwähnt bleibt. Das wird evtl. von Deutschland aus noch einmal nachgeholt – irgendwo wollen ja die vielen Fotos untergebracht werden.

Von Bangkok flogen wir über Mumbai und Johannesburg nach Windhoek, der Hauptstadt von Namibia. Hier war es, man staune, heiß, wobei sich die afrikanische Inlandshitze von der vietnamesischen Durchschnittshitze dadurch unterscheidet, dass sie auf die Beigabe von Luftfeuchtigkeit verzichtet. Der Körper dankt es mit spontaner Fersenzersetzung… Überhaupt der Körper: den ersten Tag in Afrika verbrachte ich überwiegend schlafend. Meine Verdauungsorgane lieferten sich einen Kampf mit den drei warmen Mahlzeiten, aufgenommen während dreier Flüge. Berücksichtigt man die letzte in Bangkok aufgenommenen Nahrung waren es sogar vier Mahlzeiten in 24 Stunden – und da gibt es Menschen die behaupten ich hätte keinen Ehrgeiz. Flüge sind aber auch zu langweilig und mit irgendetwas muss man sich beschäftigen – unkontrollierte Nahrungsaufnahme bietet sich da an. Aber nu Schluss mit den unangenehmen Nebenerscheinungen des Überflusses – angesichts des zu bereisenden Landes eh ein ethisch-moralisch recht grenzwertiges Problem.IMG_1197Windhoek an sich empfand ich nach den Trubelchaosbuntelichterreizüberflutungsmetropolen Asiens sehr nüchtern, wenngleich auch hier lauter geschäftstüchtige Einheimische schwarzer Hautfarbe vor den Läden und lauter geschäftstüchtige Einheimische weißer Farbe in den Geschäften darauf warten einem ihre Waren zu verkaufen. IMG_1216Ein Überbleibsel der Kolonialzeit sind Straßen- und Firmenschilder in überwiegend deutscher Sprache und eben jene besagten Geschäftsinhaber, welche mit vertrautem Zungenschlag ihren Kram feil bieten – man spricht deutsch.

Auffällig in Windhoek sind die hohen Mauern um Privathäuser zusätzlich oft noch besetzt mit Elektrozäunen, welche eher ein Gefühl von Bedrohung als von Sicherheit vermitteln, die allgegenwärtige Security-Leute und schließlich Hinweisschilder, wie jenes weiter oben. In unserem jetzigen Aufenthaltsort fiel mir ein Fahrzeug mit der schönen Aufschrift “Swakopmund street guard” oder so auf, offensichtlich eine private Bürgerwehr, rekrutiert ausschließlich aus Weißen. Weiß sind auch die Menschen in den Restaurants und Boutiquen. Die schwarze Bevölkerungsschichten können auch gut auf eine Bürgerwehr verzichten – wofür auch – sie haben ja nichts. Recht deprimierend, da die Kolonialzeit nun schon eine Weile her ist und Namibia sich seine theoretische Unabhängigkeit erstritten hat. Man möchte kotzen.

Abgesehen davon ist Namibia ein wunderschönes Land mit einer beeindruckenden Tierwelt. Wir sind zu dritt in einem Wagen mit Vierradantrieb und aufgesetzten aufklappbaren Zelten auf dem Dach unterwegs und hangeln uns von Campsite zu Campsite, übernachten bisweilen aber auch wild, einfach so in der Landschaft.

IMG_1262Die erste Etappe unser Fahrt führte uns von Windhoek ins Erongogebirge. Nach dem wucherndem Grün des vietnamesischen Tropenwaldes ist die Kargheit der afrikanischen Steppen und Wüsten fast erholsam.IMG_1225 Und trotz der Kargheit: Schon auf der Fahrt fiel uns die unglaubliche Anzahl der Wildtiere auf. Impalas, Oryxantilopen, Kudus, Springböcke und kleine Dikdiks  waren oft entlang der Strecke zu sehen. Steppenpaviane kreuzten in größeren Trupps immer mal wieder die Fahrbahn.IMG_1244 Wo wenig Menschen auf einem im Verhältnis großen Gebiet wohnen bleibt Platz für Tiere, auch wenn ein Großteil der Fläche beweidet wird. Rechts und links der Straßen trifft man immer wieder auf Rinder, Schafe, Ziegen und Esel, teils allein unterwegs, teilweise in Begleitung von Hirten. In der Regel sind die Tiere der Verkehrsregeln mächtig.

Auf dem ersten Campingplatz hatte sich direkt vor der Rezeption eine große Kolonie von Webervögeln angesiedelt, deren kunstvolle Nester überall in den Palmen hingen. Fazinierennd die Form der Nester und irgendwie auch nicht.IMG_1254 Bewährte Formen werden in der Natur immer wieder aufgegriffen…

Ganz in der Nähe stießen wir bei einer Wanderung zu einer Höhle mit (relativ unspektakulären) alten Felszeichnungen auf ein paar ausgesprochen hübsche Echsen, die Namibische Felsagame. Es handelt sich um Männchen und Weibchen. Bei dem bunten, extrovertierten, farblich attraktiveren Modell handelt es sich um den Herren, während das gräuliche Tierchen mit der etwas kränklich wirkenden Gesichtsfarbe das Weibchen ist.IMG_1268Sie in Steingrau mit Applikationen in Orange. Kopfbedeckung in Kanariengelb.ErEr im klassischen jeansfarbenden Oberteil mit karminroter Bein- und Kopfbedeckung.

Station 5: Huế und über den Umgang mit Luden

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Vom 12. bis zum 15.11 waren wir in Hue. Hue ist ein recht geschichtsträchtiger Ort: [...]während der Besetzung der Stadt durch die nordvietnamesische Armee und den Vietcong ist es 1968 zu einem der größten Massaker des Vietnamkrieges gekommen, bei dem zwischen 3.000 bis 6.000 Zivilisten als vermeintliche Kollaborateure und Klassenfeinde ermordet worden sein sollen […], außerdem liegt in der Nähe der Stadt die sogenannte entmilitarisierte Zone, einer der bedeutenden Kriegsschauplätze im Kampf mit der US-Armee. Nicht zuletzt residierte hier von 1802 – 1945 der vietnamesische Kaiser. Dementsprechend wartet Hue mit einigen historischen Gebäuden auf, deren bedeutenste Anlage die Zitadelle, der ehemalige Sitz der Kaiserfamile mit der in ihr gelegenen „Verbotenen Stadt“ ist. Diese Anlage, mittlerweile von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, liegt in der Altstadt und sorgt dafür, dass Hue in keinem Reiseführer unerwähnt bleibt.

Die touristische Infrastruktur ist hervorragend, ein Heer von Menschen wacht darüber, dass der geneigte Besucher sich so wenig wie möglich bewegen muss: kein Schritt, ohne dass einem Bootstouren, Ritschkafahrten, Motobikes oder Taxifahrten offeriert werden. Ich bin es mittlerweile etwas Leid und insbesondere die mobilen Sir-Motobike-Sir-Massa(ge)-Sir-Lady-Sir-Bang-Bang-Sir-Marihuana-Sir-Zuhälter gehen mir auf den Senkel und so reagiere ich bisweilen mit

  • totaler Euphorie: „Wow, you have a motorbike? And you have also a girl for me? Wow that is great! Could I also have some Mariuhana? That would be phantastic! Oh wow!“
  • extraordinären Bedürfnissen: „Junger Mann, nein das möchte ich alles nicht, aber ein 1993 Chardonay, das wäre schön.“
  • dem konseqenten Nichtverstehen: „Wie bitte junger Mann? Sagen sie es bitte auf deutsch! Ja auf deutsch! Das wäre sehr nett…“
  • strikter Ablehnung: „No, I am really happy. I don´t need (es folgt eine Aufzählung der bereits in Vietnam offerierten Dienstleistungen)…..“
  • etwas flunkern: „Sorry I´m gay…“ (Nicht ganz ungefährlich. Bei redegewandten Luden der Auftakt für ein weiteres klärendes Gespräch: „No, and I also don´t need a Lady-Boy!“)
  • aufgebrachte Empörung: „Mariuhana? Isn´t that a drug? In Germany it´s illegal!!“
  • Albernheiten: „Bang-Bang? Yeah, I like cowboyfilms! Bang! Bang! Bang!“
  • meistens aber mit dem Versuch mir diese Menschen so schnell wie möglich vom Leib zu schaffen: mit ignorieren, wenn das nichts nützt mit deutlichen Worten und als letzte Variante der gezielten Unfreundlichkeit.

Das hört sich alles nicht so nett und recht überheblich an? Mag sein, ich erdulde auch tapfer die meisten Formen des Angegangenwerdens in den Touristenhochburgen, so 30-50 mal am Tag geschieht das wohl. Die Zuhälterjungs auf den Mopeds sind jedoch definitiv die penetrantesten und ihrem Gewerbe bringe ich kein Verständnis entgegen – außerdem sind es elende Lebenszeitdiebe, in deren Beuteschema wir als alleinreisende Männer nun einmal bedauerlicherweise perfekt passen. Vermutlich hätten sie diese Hartnäckigkeit auch nicht entwickelt, gäbe es nicht die entsprechende Nachfrage… Also auch ein ausdrückliches „Danke!“ an euch, liebe Touristen.

Aber zurück zu Hue. Wenn man in Hue das Backpackerviertel verlässt, stößt man auf eine recht ursprüngliche vietnamesische Stadt, insbesondere die Altstadt um die Zitadelle und die Parkanlage entlang des Flusses haben uns sehr gefallen. In der Zitadelle befindet sich auch Vietnams höchster Flaggenturm – ein sozialistisches Protzbauwerk, überflüssig wie ein Kropf, wie so viele. Hue lässt sich prima mit dem Fahrrad erkunden und so waren wir einmal unmotorisiert unterwegs. Die „Verbotene Stadt“ habe ich als recht enttäuschend empfunden. Großenteils ist die Anlage in einem erbärmlichen Zustand, Erklärungen oder gut präsentierte Exponate sucht man vergebens. Die Museumskultur habe ich in Vietnam, verwöhnt durch die Interaktivitätspielereien moderner europäischer Museen, insgesamt als stark verbesserungswürdig empfunden, zumal Museen hier gleichzeitig auch immer als Propagandinstrumente missbraucht werden.

Schön an der inneren Zitadelle („Verbotene Stadt“), bei der am Eingang zwischen zwei Preisklassen Inländer und Ausländer differenziert wird, ist jedoch, dass die Anlage groß und weitläufig genug ist, um dort auch ruhige Ecken zu finden und schöne Motive zu entdecken. Lustig aber auch etwas befremdlich war noch die Episode in der äußeren Zitadelle, als mir ein junger Mann Oralsex offerierte, ich seine Gestik jedoch nicht sofort dekodieren konnte und er mir noch eine Weile folgte, ehe ich verstand, dass er keine imaginäres Mikro zum Munde führte sondern… aber auch dieser junge Herr konnte keine Dienstleistung an den Mann bringen ( Interessant allerdings: Wo wollte er seiner Tätigkeit in einer offenen Parklandschaft wohl nachkommen?).

Das Nachtleben im Backpackerviertel endet gegen 1.00 Uhr recht abrupt nur eine kleine Disco, in der Art, wie sich unsere Eltern in den späten 80ern wohl einen Schmuddel-schuppen vorgestellt haben müssen, hat bis in die frühen Morgenstunden auf – hier mischen sich auf angenehme Art Touristen und Einheimische. Tipp für Hue: Das Brown Eyes mit Gratis Billard und lustigen anachronistischen Wandmalereien, die dem Laden zu einer Urkunde der Universität als Förderer der Graffiti-Kunst verholfen haben.

Nett war auch die Restaurantkneipe, bei der Marko irgendwann hinter dem Tresen saß und per Internet, die Musikauswahl bestimmte, während ich gegen das Personal ungeahnte Billardtriumphe erlebte. Außerdem beschlossen wir dort den Schwerpunkt unser Reise in Asien auf Vietnam zu legen und ich verlängerte mein Visum.

Nicht so nett: Kater Mops durfte sich nicht von mir auf dem Königsstuhl in der “Verbotenen Stadt” fotografieren lassen. Touristen hingegen dürfen gegen Entgeld in Königskleider schlüpfen und dort für den Fotografen posieren. Dabei war Kater Mops zu diesem Zeitpunkt noch angezogen (s.o.).

Interessant: Der kaiserliche Elefant, welcher gegen Entgeld bestiegen werden konnte und die kaiserlichen Gänse in einem Winkel der verbotenen Stadt, von welchen man sich ohne Auslagen vermeckern lassen konnte.

Lustig: Eingetütete japanische Touristen beim Fotografieren zu fotografieren.

 

Opfern und räuchern

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Als guter Atheist begegne ich allen Formen der Religiosität zwar mit einem gesunden Misstrauen, den Buddhismus mit seinem freundlichen dicken Begründer und seiner prinzipiell erst einmal friedlichen Ausprägung begegne ich aber erst einmal recht wohlwollend. Überall stößt man in Geschäften, Kaffees, Privatwohnungen und auch im öffentlichen Raum auf kleine Schreine und Altäre, die Buddha gewidmet sind. Die kleinen, liebevoll gezimmerten, Schreine, die man in den Gebäuden sieht enthalten neben der/den obligatorischen Buddhafigur/en und bunten Blinklichtern häufig Opfergaben in Form von Lebensmitteln, z.B. Obst oder auch noch verschweißte Kekse, Geld, Tee in speziellen kleinen Tee-Sets offeriert aber auch Kaffee, Bier oder Schnaps. Buddha ist kein Kostverächter. Die Vietnamesen haben mir nie das Gefühl vermittelt es sei indiskret nach religiösen Praktiken zu fragen. Auf Nachfrage, was den mit den Opfergaben geschähe wurde mir gesagt, dass man sie am nächsten Tag selbst verzehren würde… Buddha könne dies schließlich ja nicht. Irgendwie logisch.

Wer die andere Figur ist, die häufig in den kleinen Schreinen neben Buddha sitz konnte mir niemand so recht beantworten. “So etwas wie Onkel Ho (Ho Chi Mingh) sei er und dafür zuständig, dass der Wohlstand erhalten bleibe und sich mehre” , so in etwa die Aussagen der von mir darauf angesprochenen. Das Konterfei dieser Figur ähnelt dem Gesicht, welches man auf vielen Opfergeldscheinen findet. Konfuzius ist es aber wohl nicht.Insgesamt haben die Vietnamesen ein recht praktisches Verhältnis zum Glauben. So opfert man zwar auch Geld durch Verbrennen, mit dem Ziel den Wohlstand zu mehren – sicherheitshalber verwendet man dafür eigens gedrucktes Spielgeld. Dieses Spielgeld, Dollar oder vietnamesische Dong, sieht den Originalen recht ähnlich. Im Fall der heimischen Währung wurde aber darauf verzichtet die Darstellung von Ho Chi Mingh, welche jeden Geldschein Vietnams ziert, zu übernehmen. Statt dessen ist, tja wer denn nun, auf dem Spielgeld abgedruckt. Vermutlich würde ein allabendliches kollektives Verbrennen von „Onkel Ho“ auch nicht den Segen der Parteiführung bekommen. Opfergeldscheine und deren Reste sieht man immer mal wieder am Straßenrand liegen – nach einer Weile bin ich nicht mehr drauf reingefallen und habe aufgehört mich zu danach bücken.

Neben Speis und Trank wird auch Rauch in Form von Räucherstäbchen geopfert. Der Geruch liegt überall in der Luft, im öffentlichen Raum stößt man überall auf Stellen, an denen Räucherstäbchen festgeklemmt wurden, an Bäumen, Brückengeländern, vor und in Tempeln und sogar an Autofelgen.

Am 15. des Monats wird zusätzlich den Toten geopfert, und zwar sowohl derer die der eigenen Familie entstammen, als auch der Toten, die ruhelos und ohne Verwandte umherirren. Für die Toten werden an den Straßenrändern kleine Tische mit Reis, Bonbons, farbigen Papierkugeln, bunten Papierbögen, welche wiederum verbrannt werden, Früchten und Getränken aufgebaut – hier sollen sie sich bedienen. Auch Opfergeld kommt zum Einsatz, damit die Geister im Totenreich eine Lebensgrundlage haben. Tun sie aber nicht und so wird die ganze Pracht in der Nacht auf die Straße gekippt. Im Anschluss kehren die fleißigen Räumkommandos mit Kehrbesen und überdimensionalen Schubkarren alles zusammen und entsorgen es – Müllwagen habe ich in Vietnam keine gesehen. Das Heer der sozialistischen Arbeiter kehrt von Hand. Den Rest erledigen die Ratten…

PS. Ich beweg mich natürlich als Tourist, der sich zu einer Religion des bereisten Landes äußert auf recht dünnem Eis, zumal die Hintergrundinfos  in erster Linie aus Gesprächen stammen, die zumeist in gebrochenem Englisch geführt wurden. Ich freu mich also über Hinweise bzw. Ergänzungen

Station 4: Da Nang

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Die nächste Etappe unser Reise führte uns von Hoi An nach Da Nang. Ab diesen Punkt unser Reise entschieden wir uns dafür den Weg, der uns durch das Open Bus-Ticket vorgegeben wurde aufzugeben. Die 50km nach Da Nang legten wir im Taxi zurück, umgerechnet 15€ war uns der Luxus wert. In Da Nang hatten wir das Gück privat untergebracht zu sein, ein Freund arbeitet dort an seiner Dissertation zur Lage Menschen, die Zur Zeit des Vietnamkrieges aus Beziehungen zwischen amerikanischen Soldaten und vietnamesischen Frauen hervorgegangen sind. Da Nang ist durch einen breiten Strom, den Han, in zwei Bereiche geteilt: die Seeseite, mit dem weiten schönen Strand und fest im Griff von Hotels, Resorts, Strandbars und großen Garküchen, die ihr Angebot auf Meeresfrüchte und Fisch ausgerichtet haben.

Bunt beleuchtete Brücken verbinden die Strandseite mit der Innenstadt auf der anderen Seite des Flusses. Hier finden sich Geschäfte, Wohnhäuser, der Markt, Restaurants und Bars, in denen sich Einheimische treffen. Trotz der Hotelmeile entlang der Küste ist Da Nang erstaunlich original – es fehlt fast völlig an einer Infrastruktur, die darauf setzt mit Touristen schnelles Geld zu verdienen – Souvenirläden, Luden und Läden, die ihr Angebot auf Markenplagiate beschränken sucht man vergebens. Vielleicht ist das der Grund, warum sich hier eine größere Community von Expats angesiedelt hat, die wovon auch immer leben. Einige nette Bars z.B. das Bamboo und das Golden Pine orientieren sich in ihrem Angebot und auch den Preisen eher am Geschmack und dem Geldbeutel der Ausländer.  Hier kann man sich Musik wünschen, die prompt aus dem Internet geladen und auch gespielt wird. Rock- oder gar Subkultur ist (noch) nicht des Vietnamesen Sache. Musikalisch ist das Land dominiert von traditioneller Musik und Synthietechnobittersüßpop sodass solche Kneipen die Möglichkeit bieten den Rock´n Roll ins Land zu tragen. Im Waterfront sahen wir eine großartige französische Funk-Band: Uptight.

Sonst? Der Markt in Da Nang ist sehr schön, sehr eng und wir fielen dort als Europäer, die sich außerhalb der Touristenpfade bewegten auf, schon allein deswegen, weil wir überall gegen stießen und alle Köpfe überragten. Beeindruckend waren die enorme Vielfalt an Obst und Gemüse, die Stände mit getrocknetem Seafood, die unglaubliche Auswahl an Gerichten aus den kleinen Garküchen und mein persönlicher Favorit: die kleinen Knoblauchtannenbäume.

Da Nang umgeben von mit tropischen Wald bewachsen Bergen – die Straßen, die hinauf führen sind wenig befahren und im guten Zustand, sodass es schöne Ausflugsstrecken mit dem Scooter sind. Auf einer Tour sahen wir sogar ein paar Affen und einen Mungo, Wir hatten außerdem das Glück mit Einheimischen unterwegs zu sein. Sehenswert ist auch die sehr große und gepflegte Tempelanlage, die im Norden auf einem Hügel liegt. Der große weiße Budda ist kilometerweit zu sehen. Unglaublich, wie viel Arbeit allein in den Bonsaibäumchen steckt, welche in den Höfen und auf den Plätzender der meisten Pagoden stehen.

Besonders faszinierend fand ich die Tätigkeit der Fischer am Strand. Die Stellnetze sind in Strandnähe im Wasser befestigt. Sie werden am frühen Nachmittag von Hand eingeholt. Die Männer bilden zwei Reihen, und holen in Tauziehmanier das Netz ein. Insgesamt sind bei dieser Aktion zwischen sechs und acht Männern beschäftigt. Ich habe mir diesen Prozess ein paar mal angesehen, die Ausbeute der Fischer war jedes mal spärlich. Die goldfischgroßen Tiere, die sie aus dem Netz pulten, hätte man auf einem Teller unterbringen können. Nach Abzug der Gräten hätte es wohl für eine Mahlzeit gereicht. Der ganze Vorgang nahm mit Einholen des Netzes, Auslesen der Fische und Herausfahren um das Netz erneut auszulegen ca. 1,5 Stunden ein. Auf Nachfrage bei einer Einheimischen wurde mir gesagt, dass nicht das Ergebnis, sondern eher das Erlebnis im Vordergrund stehen würde. Aufwand und Ausbeute dürften allerdings bei den meisten deutschen Anglern in einem ähnlichen Verhältnis stehen – das relativiert die scheinbare Sinnlosigkeit und reduziert das Mitleid.

Auch spannend;

  • gegrillte Hühnerfüße,
  • Essverhalten einiger Vietnamesen: alles was nicht gebraucht wird (Shrimpschalen, Bierdosen, Servierten, Dreck und Reste jeglicher Form) wandert unter und neben den Tisch – wozu gibt es denn Personal,
  • fröhliche Kinder am Straßenrand , die einem mit „Hälloooh“ begrüßen und natürlich eine Reaktion in Form einer adäquaten Antwort erwarten, der wir immer gerne nachkamen. Eine Freundin spricht in diesem Kontext von der „postkolonialistischen Grüßpflicht“,
  • Straßenbäumchen vasenförmig zurechtgestutzt.

Fazit: Da Nang ist eine recht lebendige vietnamesische Großstadt mit tollem endlos weitem Strand ohne Tourismusindustrie. Zwar ist Da Nang frei von wirklichen Sensationen, die Umgebung ist jedoch landschaftlich reizvoll und lädt zu Ausflügen ein.

…und wir hatten dort eine schöne Zeit in prima Gesellschaft mit zumindest einem gnadenlos pubertären Abend.

Lieblingszitat: “Das ist mir scheißegal, mach endlich das Scheißtor auf!”

Fortbewegung: Wir fahren mit dem Zug

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Liebe Mama,

heute bin ich in Vietnam von Ningh Dingh nach Ha Noi mit der Eisenbahn gefahren. Das war ein Abenteuer! Ich habe mir das Zugticket ganz alleine gekauft. Davon möchte ich dir jetzt erzählen: Als wir am Bahnhof ankamen saßen schon ganz viele Leute im Warteraum, obwohl der Zug doch erst in einer Stunde um 13.07 Uhr fahren sollte. Leider war der Schalter, auf dem ein schöner roter Stern, so mit Gold außen rum, aufgeklebt war geschlossen. Da habe ich einfach die Frau mit der blauen Uniform, die vor dem Bahnhof an einem Schultisch Zugfahrkarten verkauft hat, gefragt (auf englisch!) ob sie auch eine für mich hat. Hatte sie aber nicht. Sie hat gesagt (auf englisch!!), dass der Schalter innen um 13.00 Uhr aufmacht und dass ich da eine Zugfahrkarte kaufen soll. Um 13.10 Uhr war der Zug noch nicht da, aber der Schalter mit dem roten Stern war auch noch gar nicht auf. Das fand ich schon ein bisschen komisch aber um 13.15 Uhr hat der Lautsprecher etwas auf vietnamesisch gesagt und die Frau von dem kleinen Schultischchen hat einen blauen Filzstift und einen Lappen genommen. Mit dem Lappen hat sie die Abfahrtszeit 13.07 Uhr weggewischt und statt dessen 13.40 Uhr hingeschrieben. Ich hatte ja immer noch keine Karte und dann habe ich die Frau mit der blauen Uniform noch einmal gefragt, ob sie eine Karte auch für mich hat und sie hat gesagt, dass der Schalter mit dem roten Stern um 13.30 Uhr aufmacht alles auf englisch). Ich habe dann mit meinem Freund vor dem Schalter gewartet und alle Leute, die in der Wartehalle waren, haben uns dabei zugesehen. Das war ein bisschen lustig aber die Leute hatten auch schon alle eine Fahrkarte, weil die haben sie ja schon gestern gekauft. Mein Freund hat gesagt er mag keinen Sozialismus. Ist das Sozialismus, wenn der Fahrkartenschalter immer zu hat?

Um 13.35 Uhr hat der Schalter aufgemacht und die Frau dahinter (in einer grünen Uniform) hat zu meinem Freund gesagt, dass es gar keine Karten für uns gibt.

Das war jetzt aber ganz schön blöd.

Ich habe zu der Frau gesagt und auch ein Bild dazu gemalt, damit sie das versteht, was ich ihr auf englisch (!) sage, dass wir auch auf kleinen Plastikstühlen im Zug auf dem Gang sitzen würden. Das machen hier nämlich alle, wenn keine richtigen Karten mehr da sind. Da hat die Frau noch einmal nachgedacht und uns zwei Karten verkauft – eine zum Liegen in einem Wagen mit Holzbrettern als Betten und eine um mit einem kleinen Plastiksitz auf dem Flur zu hocken. Dann hat die Frau mit der blauen Uniform Löcher in unsere Karten gemacht und wir durften zu den Gleisen. Ein Mann in einer blauen Uniform hat gesagt, wo wir warten müsse und um 14.00 Uhr kam der Zug. Wir sind dann über ein Gleis geklettert und in den Zug eingestiegen. Ein anderer Mann in einer blauen Uniform hat dann in dem Abteil mit den Holzbrettern einer jungen Frau Bescheid gesagt, dass sie aufstehen soll. Sie hat dann einen kleinen Plastikstuhl bekommen und wir mussten uns beide auf das Holzbrett setzen. Das war komisch, weil ja eigentlich nur einer von uns da sitzen sollte. Die Zugfahrt war auch lustig. Alle Leute im Abteil haben uns immer angeguckt und immer Sachen auf vietnamesisch zu uns gesagt. Die Kinder bekommen hier von ihren Mamas und Papas Red Bull zu trinken, obwohl mein Freund gesagt hat, dass da viel mehr Sachen drin sind, die wach machen, als bei dem Red Bull bei uns zu Hause. Und dann hat noch ein Mädchen gesagt, dass wir lange Nasen haben, hat der Schaffner gesagt, aber davon erzähle ich vielleicht noch später. Das war alles ganz schön aufregend.

Liebe Grüße aus Vietnam.

Marco

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Zur Erklärung:

Es gibt im vietnamesischenSchienenverkehr vier + eins Platzkategorien:

  • Hard seat: Harte recht unbequeme Sitzvariante, kennen wir nur vom Hörnsagen
  • Soft seat: Gepolsterte Plastiksitze, vermutlich frühe 80er, auf denen es sich herrlich schwitzen lässt
  • Hard sleep: siehe oben im Brief, 6er Abteil
  • Soft sleep: recht harte Matratzen, vermutlich frühe 80er, späte 70er. Meine Vermutung: ursprünglich weich, ausgehärtet durch Transpirationssalze der letzten Dekaden
  • und dann gibt es noch die Variante bei der man mit kleinem Plastikstuhl auf dem Gang sitzt.

Fazit: Zugfahren in Vietnam kann also nicht in Ansätzen mit dem Standard in Europa verglichen werden. Muss man aber auch nicht. Prinzipiell macht es Spass man sieht etwas von der Landschaft, die Erschütterungen halten sich in Grenzen, wenn man ein sleeper-Abteil hat wird sogar nicht geraucht, der Essens- und Getränkeservice ist stets um einen bemüht und die Schaffner passen auf, dass man alles richtig macht.

Tempo? Viel schneller als der Bus ist der Zug auch nicht unterwegs.

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