Winkpflicht

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Autoenthusiasten sind mir ein Greuel, Schrauber ein Menschenschlag den ich nicht verstehe, ganz zu schweigen von Tuningkatalogen, Automobilclubs und deren Veranstaltungen. Man mag es mir als Ignoranz, Arroganz oder Dummheit auslegen – bis heute weiß ich weder den Hubraum noch die Leistung meines Autos – es interessiert mich schlicht einfach nicht und vermutlich sind beide Werte aufs Perfideste miteinander verknüpft.

Und trotzdem: Ein Text über mein Auto.

IMG_0340Die letzten 20 Jahre habe ich einen VW-Transporter der 3. Baureihe gefahren. Die Vorgängermodelle sahen runder und knubbeliger, irgendwie käferförmiger aus und unterschieden sich in erster Linie durch eine getelte (T1) und eine durchgehende (T2) Heckscheibe voneinander. Der T3 sieht ganz ander aus, 80er Design. Ihn verbindet wiederum mit seinen Vorgängern, dass er einen Heckmotor besitzt – der Ort wo “der Motor bei einem VW-Bus hingehört”, so mein Schrauber.

SolitüdeDen Wagen war ein Geschenk – ich hätte ihn mir damals nicht leisten können – und nicht zuletzt der sehr schöne professionelle Campingausbau, den mein Vater in Eigenleistung dem Fahrzeug spendierte schaffte für mich eine Verbindung zu dem Wagen, an den reichlich Erinnerungen, gute und schlechte, geknüpft sind.

Innenausbau, mit Sofarollen20 Jahre, bummelig 250.000 km reichen um einiges zu Erleben, Höhepunkte waren natürlich die Urlaube – dazu evtl. mal mehr. Das Auto machte es mir im Studium möglich Auswärtsjobs anzunehmen, war Behausung beim Buggykiten am Strand, der Ort zum Rauschausschlafen und Rauschbekommen…

aufm HangarUnd der T3 ist Kult… Ein Scheißbegriff, breitgetreten vermutlich seit den 80ern, geeignet dazu, die schönsten Dinge zu beschmutzen und zu töten. Kult war der T3 jedoch natürlich nicht immer. Kein Auto und schon gar nicht so ein Funktionsmobil wie der Bulli ist vom Konzept her Kult. Versuche der Automilindustrie neue Kultautos am Markt zu platzieren klappen nur mittelprächtig.

VW-Busse haben halt ein sehr praktisches Format: Stadtkompatibel und trotzdem so etwas wie eine Miniwohnung. Sie erwecken im Gegensatz zu den raumeinnehmenden Wohnmobilen keinen oder geringeren Klassenneid und taugen auch als Alltagsauto. Vermutlich hat es etwas mit der Beliebtheit der Fahrzeuge bei der Wassersportfraktion zu tun, dass den Bulli einen gewissen Coolnessfaktor umgab.

Irgendwann, als ich meinen Bus schon eine ganze Weile fuhr, fiel mir jedenfalls auf, dass T3-Fahrer mich grüßten. Anfangs fand ich dieses Verhalten irritierend, gar anbiedernd: Was verbindet mich denn schon mit dem Menschen am anderen Steuer? Über die Jahre wurde es  zum Allgemeingut – T3-Fahrer grüßen sich. Die Ausnahme von dem Grüßgebot wird gelegentlich nur von solchen Fahrern, dann gerne Inhaber von Handwerkerpritschenmobilen, gebildet, denen man ansieht, dass sie zusammen mit ihren Autos gealtert sind – so wie ich. Mein Auto ist Kult geworden, während ich damit die Jahre überrollt habe. Und so wurde ich immer häufiger von Menschen gegrüßt oder grüßte diese, die halb so alt sind wie ich. Mittlerweile kann ich die oben gestellte Frage auch ein wenig beantworten: Es ist ein gewisses Bedürfnis nach Unabhängigkeit, die Möglichkeit, zumindest kurzfristig, dem Alltag mittels seines Fahrzeugs zu entfliehen. Es ist der Verzicht auf Komfort, die Fähigkeit sich mit den Macken seines Autos (Unterhalten während der Fahrt? Mit den im Fond Sitzenden? Utopisch, das Auto hat ja schließlich auch etwas mitzuteilen…) zu arrangieren. Das Bewußtsein, dass man einen Teil seiner Zeit unter dem Auto oder mit Pinsel und Rostschutzfarbe in der Hand, fluchend am Straßenrand oder gemeinsam mit irgendwelchen ölverschmierten Freaks verbringt. Kurz: Es ist die Summe aus dieser Bereitschaft zum Vergnügen und zur Verzweifelung, die zu einer gewissen Verbundenheit zu dem Typen, bzw. in jüngster Zeit vermehrt – zu der Typin, hinter der anderen Windschutzscheibe führt.

Zum Verkauf: mit BlümchenUnd wieso jetzt dieser Text? Mein T3, der alte untermotorisierte Postbus, der in letzter Zeit mehr in der Werkstatt war als bei mir vor der Tür stand,  ist verkauft – nach Köln. Und ich hätte noch weitere zehn mal verkaufen können… Vor dem Verkauf bekam er eine neue Kupplung und der Motor wurde noch einmal komplett überarbeitet – ich wollte keinen Scheiß verkaufen. Trotzdem: Als Familienauto, dass mich außerdem regelmäßig zur Arbeit transportieren sollte war mein Bulli nicht mehr tragbar. Wer schon einmal mit Kleinkindern an der Autoraste auf den Abschlepper gewartet hat weiß evtl. wovon ich schreibe. Die neuen Besitzer, ein Pärchen aus Köln, werden hoffentlich noch eine gute Zeit mit ihm haben.

Mein Auto ist wech, aber ich bin nicht wieder allein. Es gab erneut einen Bus, wieder ausgebaut, diesmal allerdings von einer Firma. “Einmal Bus – immer Bus.” schon oft gehört und tatsächlich möchte ich dieses Auto nicht missen. Nur grüßen tut keiner. Jedesmal ein kleiner Stich, wenn ein T3 vorbeifährt. Liebe VW-Bus Fahrer: Solltet ihr demnächst aus einem VW-Bus neuerer Baureihe gegrüßt werden, verzeiht dem Fahrer diese Sentimentalität …und grüßt doch einfach zurück.

IMG_5630Ach: Seine Kriegsbemalung – irgendwas zwischen Tribal und Wellen – sind nicht zufällig dort angebracht, sonder ein Versuch möglichst elegant die Rostarbeiten zu kaschieren. Haben sich die T3-Fahrer unter euch aber eh gedacht.

Hören unter Wasser – Die Ruhe der Förde

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Von Mai bis Oktober versuche ich, so die Zeit es erlaubt, täglich im Meer zu schwimmen. Möglichst dann, wenn der Strandrummel noch nicht begonnen oder bereits geendet hat. Ich leiste mir die Arroganz das Meer mit Wenigen zu teilen – außerdem blendet die Sonne beim Rückenschwimmen weniger, wenn sie nicht im Zenit steht.

Solitüde - Blick nach Osten
Da ich gerne und unbelehrbar außerhalb des Schwimmerbereichs unterwegs bin, erspare ich so auch den engagierten DLRG-Leuten und mir überflüssige Ermahnungen.
Ein weiter Grund ist, dass morgens und abends kaum Bootsverkehr auf der Förde ist, der mich in meinem Aktionsradius einschränken könnte. Da meine Ohren beim Schwimmen in der Regel unter Wasser sind, regestriere ich recht schnell, wenn sich ein Motorboot mit seinem kleinen hochtourigen Antrieb nähert. Zumeist ist vor Solitüde, meinem bevorzugtem Schwimmspot, allerdings kaum mit akustischer Belästigung zu rechnen – sodass ich teilweise sogar das Klirren der Ketten der Schwimmbereichsmarkierungen auf mehrere Meter hören kann.
Viel Raum für Fischgeplauder also.

Solitüde - Blick nach Westen

…nicht so in der Kieler Innenförde, wie ich vor Kurzem im Seebad bei Düsternbrook feststellen konnte. Unter Wasser herrschte ein permanentes Dröhnen in verschiedenen Frequenzen. Der Schiffsverkehr lieferte einen permanenten Klangteppich. Da trösten dann auch nicht die für Flensburger Verhältnisse traumhaften Badebedingungen – der Steg in Düsternbrook ist  mit Sonnenliegen, Strandkörben, Umkleidekabinen und Gastronomie ausgestattet – drüber hinweg. Der Eintritt von 2,90,- € für das Baden im akustischen Müll der Schifffahrt ist zu hoch – zumal die Wasserqualität angesichts des vielbefahrenen Hafenbeckens sicher nicht herausragend sein dürfte…

 

Mark Twain

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„Wenn du merkst, dass du zur Mehrheit gehörst, wird es Zeit, deine Einstellung zu revidieren.“

Mark Twain – Schriftsteller

Tom Sawyer und Huckleberry Finn waren Bücher, die ich aus dem Jugendbuchfundus meines Vaters übernahm. Die Erzählungen um die beiden Jugendlichen prägten mein Spielverhalten als Kind und manifestierten gewisse unpopulär gewordene Ideale von Freundschaft und Loyalität. Die geheimnisvolle Welt am Mississippi mit Alligatoren, Sklaverei, Säufern und Gaunern war wundervoll fremd und Phantasie anregend. Mark Twain wendete sich in seinen Werken gegen Rassismus, Sklaverei und allgemeine Heuchelei.

Später lernte ich die Satiren und Erzählungen von Mark Twain kennen, in denen er sich als genauer Beobachter seiner Umwelt darstellte und dieser scharfzüngig, pointiert und humorvoll aber nie zynisch den Spiegel vorhält.

„Bummel durch Europa“, „Die hässliche deutsche Sprache“ und „Die Eine-Millionen-Dollar-Note“ seien empfohlen.

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Mark Twain starb 1910, nachdem er seine Frau und drei seiner vier Kinder überlebt hatte.

Erich Kästner

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„Alles, was gigantische Formen annimmt,

kann imponieren – auch die Dummheit.“

 

Erich Kästner – Schriftsteller

habe ich ähnlich wie Mark Twain durch die alten Jugendbücher meines Vaters kennen gelernt. „Das fliegende Klassenzimmer“, diese Erzählung um Freundschaft und Aufrichtigkeit, war eines meiner Lieblingsbücher als Kind. „Emil und die Detektive“ sowie „Pünktchen und Anton“ waren weitere Klassiker, die ich liebte. Neben den Vorworten und Einwürfen, mit denen sich Kästner im Handlungsstrang der Romane an seine Leser wandte, schätzte ich die Zeichnungen von Walter Trier in den klassischen Ausgaben. Besonders mag ich die Szene aus „Pünktchen und Anton“, in welcher der Dackel Piefke, auf einem Stuhl am Esstisch sitzend, einen Klaps auf den Hintern bekommt und ganz auf die gedeckte Mittagstafel springt.

Kästner war Humanist und Antimilitarist. Seine Werke wurden von den Nazis als „wider den deutschen Geist“ eingestuft und öffentlich verbrannt. Kästner ging jedoch nicht ins Exil, sondern publizierte unter einem Pseudonym weiter. Er sah sich als Chronist in einer düsteren Zeit.

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Erich Kästner starb am 29. Juli 1974.

 

Casablanca

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habe ich natürlich gesehen, vermutlich auch öfter. Ausgesprochen beeindruckt hat mich der Film jedoch nie. Ästhetisch, ja, bestimmt und für Hollywood auch recht politisch und voll von Dialogen, die mittlerweile zum Sprachfloskelallgemeingut gehören – irgendwie Kult halt.

Trotdem sind Ingrid Bergmann und Humphrey Bogart das Kinopärchen schlechthin und sahen in dem Film einfach cool aus.

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Sophie Scholl

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Sophie Scholl – Studentin

Die Weiße Rose war eine Widerstandsgruppe im Dritten Reich, vermutlich die heute Bekannteste, welche mittels Flugblättern und Wandparolen versuchte das Hitlerregime von innen zu destabilisieren. Die Wurzeln der Gruppe, die sich überwiegend aus Studenten zusammensetze, lagen im Bürgertum (auch wenn die letzten Texte der Gruppe zunehmend sozialistisch geprägte waren) – sicher einer der Gründe für die anhaltende Bekanntheit; konsensfähiger Widerstand. Ein anderer Grund hierfür ist sicher darin begründet, dass die Mitglieder der Gruppe überwiegend junge Menschen waren und kurz vor Ende des Krieges noch hingerichtet wurden.

Sophie Scholl war eine von ihnen. Trotzdem wäre es falsch sie auf die Rolle der Widerstandskämpferin zu reduzieren. Tagebuchaufzeichnungen und Briefe zeigen eine sensible, künstlerisch begabte und die Natur liebende junge Frau. Als sie ihrem Bruder Hans zum Studieren (Biologie und Philosophie) nach München folgte, schloss sie sich dort der Gruppe an. Die Überzeugung zum Widerstand war für sie die Konsequenz aus einem tiefen empfundenen Humanismus und ihrer christlichen Überzeugung.

Sophie Scholl wurde, wie auch Christoph Probst und ihr Bruder Hans am 22.Februar 1943 durch die Guillotine hingerichtet. Eine Mitgefangene beschreibt sie am Tag ihrer Hinrichtung als „mit sich im Reinen.“

Franz K.

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Franz Kafka – Schriftsteller

Kafkas Hauptwerk wurde erst posthum durch seinen Freund Max Brod veröffentlicht. Die Manuskripte hatte Kafka ihm zum Vernichten überlassen.

Ich war um die zwanzig, als ich Kafka für mich entdeckte. Kafka ein hochsensibler, immer kränklicher Mensch, litt Zeit seines Lebens unter der Beziehung zu seinem dominanten Vater. Seine Beziehungen zu Frauen waren nicht minder kompliziert. Franz Kafkas Romane und Erzählungen sind geprägt von alptraumartigen, eben kafkaesken Bedrohungsszenarien. Beste Voraussetzungen um von einem jungen Mann in der Adoleszenz, emotional aufgewühlt durch Ablösungsprozesse, Sinnsuche und Bindungsversuche, mit Begeisterung gelesen zu werden.

„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“, ist der erste Satz aus der „Verwandlung“ und eines der bekanntesten Zitate der Literaturgeschichte. Kafkas Protagonisten begehren nicht auf, sondern fügen sich in ihre Situation.

Kafka ist immer wieder interpretiert und adaptiert worden. Empfehlenswert ist eigentlich alles von ihm, sowie die Comicbiografie von Robert Crumb, die Comicadaptionen seiner Kurzgeschichten von Peter Kuper und die Interpretationen seiner Werke von der Theaterwerkstatt Pilkentafel.

Franz Kafka starb 1923 im Alter von 41 Jahren.

Wir werden gebraucht, Mrs. Peel!

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Damit hier mal wieder etwas passiert werde ich in der nächsten Zeit ein  paar Bilder der unten beworbenen Ausstellung posten. Das Konzept der Ausstellung sah ja vor, die eigene Biografie zu erforschen – daher gibt es zu Bildern auch immer noch ein paar kurze Texte. Die Ausstellung hat noch bis zum 31.05.2014 geöffnet und endet mit einem kleinen Workshop.

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Emma Peel – (Filmfigur, gespielt von Diana Rigg)

dürfte mir irgendwann in den späten 70ern im Fernsehen aufgefallen sein, als ich ausnahmsweise die für mich damals bisweilen recht gruseligen Schwarz-Weiß-Folgen von „Mit Schirm, Charme und Melone“ im Fernsehen sehen durfte. Ich vermute, dass mein Vater, der mir den Zugang zum Fernseher nicht verwehrte, ebenfalls für die Filmfigur schwärmte, die, neben überragenden Kampfsportfähigkeiten gepaart mit wissenschaftlichem Know How, durch Charme, Scharfzüngigkeit und eine großartige Sixties/70ties Garderobe auffiel – unvergessen der Ledercatsuite…

Es wäre gelogen zu sagen, dass Diana Rigg mein Weiblichkeitsideal geprägt hätte – beschäftigt hat sie mich aber sicher eine zeitlang in meiner frühen Pubertät. John Steed (Patrick Macnee), ihr Kollege im Agententeam, hatte vor und nach Emma noch andere Kolleginnen, die jedoch nie, so der allgemeine Konsens, an Mrs. Peel heranreichten.

Die britische Krimi-/Fantasie-/Agentenserie „Mit Schirm, Charme und Melone“ insbesondere die Folgen mit Diana Rigg sind herrlich altbackene Filme, die in Plot, Dekoration und Kostümen den Geist ihrer Zeit transportieren. Großartig auch die Nebencharaktere, mit denen häufig sehr liebevoll das Klischee des schrulligen Briten transportiert wird.

Diana Rigg arbeitet nach wie vor als Schauspielerin für Kino, TV und Theater und als Dozentin für Schauspiel.

 

 

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